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Road to Dakar 2023: Der Countdown läuft

Road to Dakar 2023: Der Countdown läuft

Kurz vor dem zweiten Start bei der Rallye Dakar gewährt Audi Motorsport Einblick hinter die Kulissen.

15.01.2024 Text: Patrick Morda – Foto: AUDI AG, Julian Rausche Lesezeit: 8 min

Audi RS Q e-tron: Bei diesem Fahrzeug handelt es sich um das Rallye-Dakar-Rennfahrzeug, dieses wird nicht zum Kauf angeboten. Geschlossene Strecke, professioneller Fahrer. Nicht nachahmen.

Der neue Audi RS Q e-tron steht vor einer Garage.Der neue Audi RS Q e-tron steht vor einer Garage.

Im Neonlicht bewegen sich Mechaniker und Ingenieure durch ein Labyrinth aus Fahrzeugteilen, die einer strengen Logik folgend auf dem Boden liegen. Sie stammen von den drei Audi RS Q e-tron der zweiten Generation, mit denen Audi am 31. Dezember zum zweiten Mal in die Rallye Dakar starten wird und die aufgebockt in den Hallen von Audi Sport in Neuburg an der Donau stehen. Nach einem letzten Härtetest bei der Rallye Marokko wurden alle drei Rallye-Fahrzeuge routinemässig, in einer Art Generalüberholung, in ihre Einzelteile zerlegt, um sie dann wieder zusammenzusetzen und für die Reise nach Saudi-Arabien vorzubereiten. Und inmitten der vielen Teile steht Rolf Michl.

„Uns ist ein beeindruckendes Debüt in einer für uns neuen Motorsport-Disziplin gelungen“, sagt der Geschäftsführer der Audi Sport GmbH und verantwortlich für den Motorsport bei Audi über die erste Teilnahme bei der Dakar Anfang 2022. Er lässt es sich nicht nehmen, selbst immer wieder bei Testfahren und Einsätzen vor Ort zu sein – so auch bei der finalen Vorbereitung in Neuburg an der Donau. „Ich spüre enorme Konzentration, aber auch Vorfreude im Team, das inspiriert mich immer wieder.“ Ein übergeordnetes Ziel des Dakar-Projekts sei von vornherein gewesen, zu beweisen, dass das elektrifizierte Antriebskonzept den härtesten Bedingungen performen könne. Damit würde der Audi RS Q e-tron mehr als nur Rennsport verkörpern. „Das Projekt steht für eine Haltung, dafür, dass wir bei Audi die Elektrifizierungsstrategie konsequent um- und erfolgreich einsetzen können.“ Und erfolgreich war der erste Auftritt bei der Dakar.


Rolf Michl steht vor den Bauteilen eines Audi RS Q e-tron.Rolf Michl steht vor den Bauteilen eines Audi RS Q e-tron.

Mit all dem Wissen, das wir angesammelt haben, wollen wir jetzt um die Podiumsplätze fahren.

Rolf Michl

Das findet auch Arnau Niubó Bosch, Entwicklungsingenieur und Projektleiter Fahrzeugeinsatz bei Audi Motorsport. „Wenn wir mit dem Team Ende Dezember in Saudi-Arabien ankommen“, sagt er, „bleibt nur wenig Zeit, um uns und die Fahrzeuge für den Start bereit zu machen.“ Umso wichtiger sei es, die Fahrzeuge im bestmöglichen Zustand zu verschiffen. Seit 2018 ist der Spanier bei Audi, seit rund 25 Jahren im Motorsport – die Dakar war aber auch für ihn Neuland. „Über diese Rallye kann man sich viel erzählen lassen. Um sie zu verstehen, muss man sie aber selbst erlebt haben.“ Bosch war dabei, als Audi im Januar 2022 erstmals an den Start ging. Am Ende standen vier Etappensiege und eine steile Lernkurve. „Wir haben viele Erfahrungen gesammelt über die Wüste, über das Auto, aber auch über das Team und die Logistik“, erinnert sich Bosch. Jegliches Feedback, ob zu den Fahrzeugen oder den Prozessen vor Ort, floss in einen grossen Pool. „Im Motorsport summieren sich oft viele kleine Dinge zu einem grossen Entwicklungsschritt“, weiss der erfahrene Ingenieur. Wenn Bosch das sagt, meint er nicht nur die Fahrzeuge. Man habe unter anderem viel gelernt über die Ersatzteilversorgung vor Ort oder die Logistik, die es braucht, ein Biwak auf- und abzubauen und gleichzeitig Tag für Tag den Service-Check der Fahrzeuge zu gewährleisten. „Mit Unmengen an Erfahrungen und Informationen sind wir gleich nach der Rückkehr aus Saudi-Arabien hier in Neuburg zusammengekommen und haben begonnen, die Rallye 2023 vorzubereiten und den Audi RS Q e-tron der zweiten Generation zu bauen.“

Arnau Niubó Bosch in einer Arbeitssituation am Computer neben dem demontierten Audi RS Q e-tron. Arnau Niubó Bosch in einer Arbeitssituation am Computer neben dem demontierten Audi RS Q e-tron.
Benedikt Brunninger inspiziert ein Detail am demontierten Audi RS Q e-tron.Benedikt Brunninger inspiziert ein Detail am demontierten Audi RS Q e-tron.

Während der Entwicklung der zweiten Evolutionsstufe des Audi RS Q e-tron liefen viele Fäden bei Benedikt Brunninger zusammen. Als Technischer Projektleiter kennt er das Dakar-Projekt von Beginn an, hat schon die erste Fahrzeuggeneration verantwortet. Aus der ersten Teilnahme zieht er im Wesentlichen zwei Rückschlüsse: „An erster Stelle steht für mich die Bestätigung, dass unsere Fahrzeuge und das innovative Antriebskonzept robust genug sind, um die Dakar zu bewältigen.“ Gleich an zweiter, sagt Brunninger, käme aber auch die Erkenntnis, „dass wir unsere Fahrzeuge sogar robuster als nötig gebaut haben“. Für den ersten Audi RS Q e-tron galt es, das innovative Antriebskonzept² gegen so viele Eventualitäten abzusichern wie möglich. „Niemand konnte uns sagen, wie die Sicherheitsstruktur, zum Beispiel um die sensible Hochvoltbatterie, wirklich gebaut sein muss. Einfach weil es noch niemand in der Form gemacht hatte“, so Brunninger. 

Dakar Rallye 2023

Die Nachbetrachtung habe aber gezeigt, dass gerade die als sensibel eingestuften Komponenten anstandslos funktioniert hatten, und es wurde schnell klar, „dass wir da Spielraum für die Weiterentwicklung bei der Konstruktion und beim Gewicht hatten“. Bestimmte Teile konnten für die neue Generation leichter gefertigt oder gar komplett weggelassen werden. So übernimmt die zweite Generation des Rallye-Fahrzeugs kein einziges Karosserieteil von seinem Vorgänger. Die drei Audi RS Q e-tron, mit denen man in wenigen Tagen an den Start geht, sind rund 80 Kilogramm leichter als ihre Vorgänger. Das verringerte Gewicht eröffnete unter anderem neue Möglichkeiten bei der Fahrwerksabstimmung, was zum Beispiel das Handling für die Fahrer erleichtert. Auch konnte viel im Bereich der Aerodynamik optimiert werden. In Summe ist der neue Audi RS Q e-tron jetzt noch athletischer, agiler und kompakter. „Für mich“, sagt Brunninger, „war das erste Fahrzeug der Technologieträger, die zweite Generation ist jetzt die echte Rennversion.“

In einer Halle sind Teile der Audi RS Q e-tron Fahrzeuge zu sehen.In einer Halle sind Teile der Audi RS Q e-tron Fahrzeuge zu sehen.

Und diese Rennversion hat in der Vorbereitung vielversprechend abgeliefert. Die letzten Monate verliefen so, wie es sich Rolf Michl, Arnau Niubó Bosch, Benedikt Brunninger und das gesamte Team vorgestellt haben: Unter anderem in Saragossa und in der marokkanischen Wüste konnten über den Sommer rund 6.500 Testkilometer gefahren werden. Bevor die drei Audi RS Q e-tron ein letztes Mal in ihre Einzelteile zerlegt wurden, hat man im Oktober zudem bei der Rallye Marokko wertvolle Wettkampferfahrung gesammelt. „Mit all dem Wissen, das wir jetzt aufgebaut haben“, sagt Rolf Michl daher betont zuversichtlich, „wollen wir bei unserer zweiten Rallye Dakar um die Podiumsplätze fahren.“ Dafür hat das Team von Audi Sport sich und den Audi RS Q e-tron bestmöglich vorbereitet. Und doch bleibt die Unberechenbarkeit der Dakar, Unwägbarkeiten, die keine Planung abfangen kann. „Aber genau das“, meint Michl, „ist es, was den Rennsport und die Faszination Dakar ausmacht.“

 
Der Audi RS Q e-tron im Sprung über eine Schotterpiste.

In der Nähe von Saragossa erfolgten im Sommer die ersten Härtetests mit dem neuen Audi RS Q e-tron Realbedingungen.

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